Sonntag, 10. Oktober 2010

Hallo ihr Lieben,
es tut mir Leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe,aber das mit dem Internet in Alcalá klappt einfach immer noch nicht...:-( Deshalb lädt Eva nochmal meinen Blogeintrag für mich hoch.
Auch wenn ich nun auf dem rechten Ohr ein bisschen schlechter höre, habe ich meine Mittelohrentzündung ganz gut auskuriert.

Jetzt habe ich schon 2 Wochen nicht mehr richtig geschrieben und ich find es schwer die 2 Wochen jetzt nachzuerzählen, deshalb schreib ich euch die wichtigesten Ereignisse...
Letzten Donnerstag hatten Maren,Julia und Ich unseren großen Tanzauftritt.
Einmal im Jahr müssen die Lehrer alle üblichen bolivianischen Tänze ihren Schülern vortanzen. Und da wir ja nun auch mehr oder weniger zu den Lehrern in Alcalá dazugehören,mussten wir mittanzen. Obwohl wir uns jeden Morgen um 6 Uhr getroffen haben um zu üben habe ich noch nie so einen unorganisierten Auftritt erlebt. Aber wie alles hier,klappt es ja dann zum Schluss doch immer irgendwie. So auch diesmal. Wir waren die Atraktion des Abends und jetzt sprechen uns immer viele Menschen hier an, dass wir Weißen viel besser als die Bolivianer tanzen können.

Leider können wir angeblich immer alles besser, einfach nur wegen unserer Hautfarbe,das macht mich in der letzten Zeit irgendwie immer mehr traurig.
Manche Menschen hier zeigen sehr deutlich,dass sie mit uns nichts zu tun haben wollen, weil wir Weiß und böse Menschen sind. Und dann gibt es welche,die so tun als ob man ein Gott wäre.
Am Anfang durfte ich zum Beispiel in meinem eigenen Unterricht nicht die Tafel wischen, weil das eine zu niedrige Arbeit für mich wäre. Oder man wird im Laden bevorzugt,weil man weiß ist...oder eben auch garnicht bedient. Ich finde, dass in Bolivien ein großer Rassismus existiert. Zwischen Weißen und Dunklen oder zwischen Menschen die in der Stadt oder in größeren Dörfern wohnen und denen die auf dem “Campo”, also auf dem Land wohnen. Das ist manchmal schon sehr erschreckend.

Die Woche bin ich jetzt doch noch in den Kindergarten gegangen,weil ich auf die nächste Voluntarierin warten muss. Sie kommt vorraussichtlich am Dienstag und mit ihr soll ich mich dann in den Kindergarten und Mulacanche reinteilen.Ich habe jetzt einen Wochenplan für das Essen und die Aktivitäten im Kindergarten erstellt, dann ist es vielleicht nicht mehr so eine Aufbewahrungsstätte. Mit der Kindergärtnerin verstehe ich mich jetzt mittlerweile auch ganz gut, sie backt mir jetzt jede Woche Brot und Kuchen, damit ich etwas leckeres habe und es mir hier in Alcalá gut geht. So richtig lieb wie ich finde.

Übers Wochenende ist Eva gekommen:-) Da mich 2 Mädchen aus meiner 6. Klasse zum wandern eingeladen hatten, waren wir gestern wandern. Die beiden sagten uns, dass die Wanderung nur so eine Stunde dauert. Deshalb haben wir einfach nichts mitgenommen. Weder zu trinken,noch zu essen, noch Klopapier. Tja, es stellte sich dann aber nach kurzer Unterhaltung raus, dass sie mit uns auf den größten und weit enferntesten Berg gehen wollen. So ungefähr 6 Stunden zu Fuß. Nun konnten wir ja nicht einfach umdrehen,weil das wäre ja unhöflich gewesen. Also sind wir ganz tapfer und keuchend mitgelaufen. Manchmal macht mir die Höhe dann doch noch zu schaffen. Die beiden Mädchen waren Cousinen und leben eigentlich auf dem Land und laufen jeden Tag 2 Stunden zur Schule. Auf dem Weg zum Berg lagen ihre beiden Häuser. Obwohl Häuser schon wieder zu viel gesagt wäre. Einfach eine Lehmhütte. Ganz einfach, mit Türen aus 3 kleinen Ästen. Und wir durften einfach eintreten, uns auf den Boden setzen und dann haben wir etwas gekocht bekommen. Das war so intim und so unglaublich eindrucksvoll für mich,das kann ich leider garnicht in Worten beschreiben. So etwas zu erleben, ist wie man sagt, etwas ganz außergewöhnliches,weil eigentlich keine arme Indio-Familie 2 reichen Weißen Mädchen ihr Haus von innen zeigt. Jetzt habe ich gesehen,wie die Menschen wohnen,die wirklich ganz ganz einfach und arm leben. Eine Erfahrung, die ich nicht vergessen werde und auf die ich irgendwie auch ein bisschen Stolz bin.
Als wir bei der einen Famile gegessen hatte,wurden wir gleich zum nächsten Hof geführt und wurden dort auch wieder ganz herzlich empfangen und bekamen wieder eine riiiesen Ladung mit Essen. Auf dem Rückweg sind Eva und Ich einfach nur noch geschlichen, weil wir so voll gegessen waren und der Weg so anstrengend war.

Ab Morgen bieten wir jeden Tag eine Stunde Hausaufgabenhilfe an. Dort können dann alle Kinder kommen,die Hilfe bei ihren Hausaufgaben haben. Die meisten werden sicherlich wegen Englisch kommen.
Dann bieten wir auch ab demnächst Englischunterricht für die Lehrer an. Weil wie ich ja schon mal geschrieben habe, können hier selbst die Englischlehrer kein Englisch und wollen es unbedingt lernen. Die eine Englischlehrerin meiner Klasse sitzt immer in meinem Unterricht und lernt fleißig mit und letze Stunde hat sie sogar ganz eifrig den Test mitgeschrieben.=)


So jetzt habt ihr wieder viel zu lesen, ich hoffe euch war es nicht zu viel.
Nächsten Donnerstag fahre ich übers Wochenende nach Tarbuco, weil am Wochenende Stierkampf ist und da gibt es dann spätestens den nächsten Blogeintrag.

Ich schicke euch herzliche Grüße aus Bolivien.

Eure Sophie

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