Hallo Ihr Lieben,
das mit dem Gesundwerden hat doch nicht so schnell geklappt wie ich mir das vorgestellt habe und jetzt liege ich mit Fieber im Bett und kann nicht arbeiten gehen. Dafür kann ich euch jetzt in Ruhe schreiben:)
Am Dienstag war ja "Tag der Toten" und deshalb sind alle Menschen in Alcalá am Montag Abend zum Friedhof gelaufen und haben an ihre Verstorbenen gedacht.
Das war wirklich ganz eindrucksvoll das anzuschauen. Der ganze Friedhof war ein ein kleines Lichtermeer,denn um jedes Grab standen bunte Lampions und leuchtende Girlanden. Um die Gröäner standen dann die Familien,haben gesungen,gebetet,gelacht und somit fröhlich an ihre Toten gedacht. Es war eine ganz andere Stimmung als bei uns auf dem Friedhof. Viel fröhlicher und nciht diese stetige Trauer wie man es bei uns kennt. Ein paar Kinder aus der Schule und dem Kindergarten haben mir Kekse geschenkt, die typisch zu diesem Anlass gebacken werden. Wir waren alle ziemlich beeindruckend.
Das Einzige, was einen Schatten über dieses "Fest" geworfen hat,war der Alkohol.
Es wurde wieder unglaublich viel Chicha getrunken und sogar die kleinen Kindergartenkinder haben ganz normal mitgetrunken. Zum Schluss waren leider Alle so richtig betrunken. Das finde ich sehr schade, aber der Alkohol ist hier einfach so tief in den Wurzeln der Tradition verankert,das ist wirklich schwer.
Gestern habe ich dann im Kindergarten gearbeitet und Nachmittags habe ich Maren bei ihrem Unterricht in der ersten Klasse in der Escuela geholfen. Weil die eigentliche Lehrerin einfach blau gemacht hat und nicht aus Sucre zurückgekommen ist. Ui 28 Erstklässler in einer anderen Sprache "unter Kontrolle" zu halten ist so richtig schwer. Wie ein Sack Flöhe. Die jungs sind im wahrsten Sinne des Wortes über Tische und Bänke gesprungen. Wir haben dann den Auftrag vom Direktor bekommen,Sie einfach spielen zu lassen.
Wir haben uns wirklich Mühe gegeben,aber puh es war wirklich anstrengend. Das ganze endete dann damit,dass ein Kind von einem Jungen von der Mauer geschubst wurde. Leider gibt es hier so etwas wie Rindenmulch nicht oder gefederten Boden wie in der Grundschule meiner Schwester.
Sie ist also auf ein Stück Felsen und danach auf Betton gefallen.
Ein Erste-Hilfe-Kasten oder die generelle Erste Hilfe wir hier von den Lehrern auch eher überbewertet. Im "Sekretariat" war keiner und alle anderen Lehrer haben nur kurz aus dem Raum geguckt und sind dann wieder in ihre Klassen gegangen.
Maren hat dann den Unterricht beendet,ich habe das Kind durchs Dorf getragen,auf der Suche nach ihren Eltern. Davor habe ich ihr Wasser gekauft und Desinfektionsspray aus meinem Zimmer geholt.
Den Papa habe ich dann irgendwann gefunden,der hat mein Anliegen mit dem Kind ins Kranenhaus(dort gibt es den einzigen Arzt) zu gehen, als nichts so Ernst empfunden. Dann kam ich mit einem blutigen T-Shirt und ziemlich deprimiert Nachhause.
Da prallten mal wieder zwei ganz unterschwiedlich Welten und Vorstellungen aufeinander. Das ist manchmal sehr schwer das einzusehen und so richtig einsehen kann ich es noch nicht so ganz.
Ansonsten gibt es die Woche über kein Brot. Jeder backt sein eigenes, nur das Hostel nicht. Das heißt zum Frühstück gibt es jetzt nur noch Kekse...herrlich.
Morgen ist ja schon wieder Freitag und wenn es mir besser geht,arbeite ich dann im Kindrgarten und Nachmittags habe ich noch Englischunterricht. Vielleicht fahren wir über das Wochenende nach El Villar. Das ist ein Dorf, undgefähr genauso groß wie Alcalá und ist nur 2 Stunden mit der Flota entfernt und dort sind ebenfalls viele Freiwillige.
Ich hoffe euch allen geht es gut?
Ich schicke euch allen ganz Libe Grüße und denke an euch!
Eure Sophie